Wer kennt sie nicht, diese Frage, die werdenden Eltern immer gestellt wird? Als gäbe es nichts Wichtigeres als das Geschlecht des Kindes. Ich hätte auf diese Frage gerne einfach mit „Ja“ geantwortet. Also: „Ja, sehr wahrscheinlich wird es entweder ein Junge oder ein Mädchen werden“ – es sei denn, es wird ein Kind, bei dem das Geschlecht bei der Geburt nicht genau bestimmt werden kann. Es kommt zwar selten vor, aber nicht ganz so selten, wie man denkt.
Wie habe ich die Frage beantwortet?
Meine Antwort war aber immer: „Wir wissen es nicht … und wir wollen es auch nicht wissen“. Die Reaktionen darauf waren sehr vielfältig. Manche meinten: „Oh, das ist ja spannend“ oder „Das hört man aber selten“. Aber viel häufiger kam: „Also, ich könnte das nicht, ich würde das Geschlecht wissen wollen“. Auch in meiner Familie gab es Fälle, in denen die Eltern das Geschlecht vorher nicht verraten wollten. Die werdenden Eltern kannten das Geschlecht aber.
Wieso wollten wir es nicht wissen?
Das ist eine gute Frage. Ich kann hier nur für mich sprechen. Zu sagen „Es war mir egal“, wäre wohl nicht ganz ehrlich, aber irgendwie stimmt es auch. Es heißt ja oft „Hauptsache gesund“ und da ist natürlich etwas dran. Aber ist denn das Geschlecht wirklich wichtig? Klar, einige wünschen sich unbedingt einen Sohn oder eine Tochter. Andere hingegen sagen: lieber keinen Sohn oder keine Tochter. Auch hierfür sind die Gründe vielfältig. Viele wollen das Geschlecht nicht verraten, weil dann direkt danach die Frage nach dem Namen kommt und dann, teilweise monatelange, Diskussionen über diesen Namen anfangen, mit Menschen, die mit der Entscheidung absolut nichts zu tun haben sollten.
Für mich – und ich glaube auch für Frau – gab es keine wirkliche Präferenz. Es gab nur einen „praktischen Grund“ der eher für ein Geschlecht sprach, denn für eines hatten wir beide von Anfang an nur einen Namen, den wir wählen würden. Für das andere Geschlecht waren es zum Zeitpunkt der Geburt noch 7 Namen auf der „Shortlist“ (aus zuvor 46 Namen). Meine Frau meinte ja, dass sie, wenn sie das Kind sieht, direkt sehen kann, welcher Name am besten passen würde. Ich hätte das nicht gekonnt. Vielleicht hätten wir also einfach zufällig einen Namen aussuchen müssen. Aber glücklicherweise wurde es das Geschlecht, für das wir von vornherein nur einen Namen hatten, und meine Frau hatte beim ersten Blick auf unser Kind nicht das Gefühl, dass der Name nicht passt. Heute sind wir mit dem Namen sehr glücklich und hoffentlich wird es das auch selbst in Zukunft sein. Falls nicht, könnte es noch immer den zweiten Vornamen als Rufnamen verwenden.
Wie verhindert man, dass man das Geschlecht vorher erfährt?
Das ist wirklich nicht einfach. Bei wirklich jeder Ultraschalluntersuchung, und das können echt viele werden während der Schwangerschaft, mussten wir immer direkt sagen, dass wir das Geschlecht nicht wissen möchten. Ich habe es auch jedes Mal gesagt, egal ob die behandelnde Person das eigentlich schon einmal gehört hatte oder nicht. Sicher ist sicher. Denn wenn man es erst einmal gehört hat, dann kann man es nicht einfach wieder vergessen. Ich habe auch darum gebeten, dass sie uns vorwarnen sollen, wenn wir besser wegsehen, aber ich weiß nicht einmal, ob ich es auf den Bildern erkannt hätte. Meistens musste uns ja genau erklärt werden, was man da gerade sieht.
Was gibt es bei der Geburt zu beachten?
Wenn das Kind auf „natürlichem Wege“ auf die Welt kommt und beide Elternteile dabei sind, dann kann man das Geschlecht ja meistens direkt sehen und oft wird es einem ja auch direkt gesagt. Bei einer Bauchgeburt (Kaiserschnitt) kann es dagegen schon schwieriger werden. Falls die Mutter bei der Geburt unter Vollnarkose ist und erst einmal in einen Aufwachraum muss, dann wird das Kind meist dem anderen Elternteil gegeben. Möchte man das Geschlecht aber gemeinsam erfahren, muss man auf Mithilfe durch das Klinikpersonal hoffen.
Bei der Geburt unseres Kindes war leider ein Notkaiserschnitt notwendig, ich durfte also nicht mit in den OP. Nach der Geburt wurde mir das Kind dann in den Kreißsaal gebracht, in dem wir zuvor waren. Ich bat dann die Hebamme, dass sie mir das Geschlecht nicht sagen solle. Da wurde es dann interessant, denn direkt nach der Geburt wird das Kind untersucht und vermessen. Es bekommt dann ein Band am Arm und Bein, auf dem Tag und Uhrzeit stehen und auch das Geschlecht. Das wäre ja noch nicht so kritisch, da man nicht auf das Band schauen muss. Aber dieses Band gibt es in genau zwei Farben: hellblau und rosa. Zum Glück hatte die Hebamme eine clevere Lösung. Am Arm wurde das Band in einer Farbe angebracht, am Bein in der anderen. So war für mich nicht zu erkennen, welches Geschlecht unser Kind hatte. Da ich auch bei der Untersuchung und dem Umziehen nicht hingesehen habe, konnte ich mir die Spannung erhalten. Auch beim Blick ins Gesicht konnte ich das Geschlecht nicht erkennen. Erst als meine Frau dann im Aufwachraum wach genug war, sind wir zu ihr gegangen und die Hebamme hat uns das Geschlecht genannt. Wir waren beide froh, dass wir uns dann nicht erst einmal noch auf einen Namen einigen mussten. Endlich konnte auch die Hebamme dann einen Namen in die Unterlagen eintragen.
Ihr wollt jetzt sicher wissen: Wurde es ein Junge oder ein Mädchen … ja, es wurde eines von beiden. Hey, was habt ihr erwartet? Dass ich euch das einfach so verrate, wo wir es doch selbst die ganze Zeit nicht wussten? In meinem ersten Blogbeitrag hatte ich ja schon erwähnt, dass ich die Persönlichkeitsrechte meines Kindes so gut wie möglich schützen möchte. Vielleicht werde ich also das Geschlecht irgendwann doch enthüllen, aber vielleicht halte ich es auch privat. Denn am Ende ist es doch auch nicht so wichtig, oder?
Fazit
Ob ihr das Geschlecht wissen wollt oder nicht, das ist eure Entscheidung. Auch ob ihr es anderen vorher mitteilt, liegt ganz bei euch. Ihr stellt damit andere vielleicht vor Herausforderungen, denn als ich für das erste Kind in der Familie ein Geschenk kaufen wollte, gab es Geschenkpapier im Laden nur in Hellblau und Rosa. Aber es ist euer Kind und eure Entscheidung. Überlegt euch also, ob ihr die Kraft für die Diskussionen habt, die mit der Verkündung des Geschlechts oder sogar des Namens aufkommen. Wir hatten den einen möglichen Namen für ein Geschlecht sogar verraten und haben glücklicherweise keine negativen Reaktionen darauf bekommen. Aber es hätte durchaus passieren können und konsequenterweise hätten wir auch diesen Namen nicht verraten sollen. Wie auch immer ihr euch entscheidet, bleibt standhaft. Und wenn ihr das Geschlecht wirklich nicht wissen wollt, dann kommuniziert es lieber einmal zu viel bei Untersuchungen, als es das eine Mal zu vergessen und euch dann doch die Überraschung zu verderben. Aber selbst dann werdet ihr euch sicher mit dem Geschlecht euers Kindes anfreunden und es genau so lieben.

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