Papa hat Fragen

Ein Nerd-Papa sucht Antworten im Familienchaos

Wohin mit meinen Gedanken? Schreib ein Tagebuch für dein Kind!

Schon sehr früh im Prozess des Elternwerdens hatten mich einige Gedanken und Fragen gequält, die ich gerne mit anderen geteilt hätte. Die Idee, einen Blog zu starten, kam also sehr früh. Aber ich war immer im Zwiespalt mit mir, da viele dieser Gedanken aus meiner Sicht zu persönlich beziehungsweise privat waren, um sie mit der Öffentlichkeit zu teilen. Einige dieser Gedanken waren auch eher nur für mein Kind bestimmt. Es kann zwar noch nicht verstehen, was ich sage, oder lesen, was ich schreibe, aber ich fand viele Dinge dennoch wert, niedergeschrieben zu werden. Erst zwei Wochen nachdem wir vom Krankenhaus nach Hause gekommen waren, habe ich das dann in die Tat umgesetzt, allerdings in einer anderen Form als gedacht.

Ein Tagebuch für mein Kind

Ich habe keinen Blog gestartet, um all diese Dinge aufzuschreiben, sondern stattdessen einfach ein Word-Dokument angefangen. Dies waren meine ersten Zeilen:

Vor zwei Wochen sind wir drei nach Hause gekommen. Hinter deinen Eltern lagen einige aufregende Tage. Aber dazu mehr an einem anderen Tag. Wie du vermutlich schon weißt, schreibt dein Papa – mal mehr, mal weniger regelmäßig – Blogbeiträge. Gibt es die überhaupt noch, wenn du das hier das erste Mal liest? Aber auch darum soll es heute nicht gehen. Ich möchte ein wenig über den Tag schreiben. 

Es folgte knapp eine Seite mit deinem Bericht über den Tag. Einfach ganz alltägliche Dinge, die Eltern mit dem erstgeborenen Kind so erfahren. Die erste Woche habe ich es geschafft, wirklich jeden Abend einen kleinen Eintrag zu verfassen. Mal war es eine ganze Seite, mal nur eine halbe. Erst nach vier Tagen habe ich meiner Frau erzählt, was ich da jeden Abend auf dem Bett sitzend in meinen Laptop tippe. Ich habe an dem Tag dann auch geschrieben, dass sie ja vielleicht auch anfängt, in dieses Tagebuch, oder in ein eigenes zu schreiben, und das eventuell auch in ihrer eigenen Muttersprache. Das hat sie dann auch nach einer Woche gemacht, sodass unser Kind jetzt auch immer mal wieder Texte aus einer anderen Perspektive und in einer anderen Sprache zu lesen bekommt … sobald unser Kind lesen kann oder wir die Texte vorlesen.

Was schreibe ich so in das Tagebuch?

Ich versuche, aus der Ich-Perspektive einfach ein wenig zu erzählen, was seit dem letzten Eintrag passiert ist. Das sind manchmal ganz banale Dinge, aber auch die besonderen Momente:

  • Was haben wir heute so gemacht?
  • Wen haben wir getroffen?
  • Welche Schwierigkeiten mussten wir meistern?
  • Was hat uns heute Freude gemacht?
  • Was haben wir für die nächsten Tage geplant?
  • Wie haben wir uns als Eltern weiterentwickelt?

Immer ehrlich und persönlich. Auch kleine peinliche Anekdoten sind dabei. Und auch die Selbstkritik darf nicht zu kurz kommen, denn sonst wäre es nicht ehrlich.

Wenn es mal einige Tage nichts zu berichten gibt, dann versuche ich, „in die Vergangenheit zu reisen“ und Dinge zu erzählen, wie das Kennenlernen der Eltern, Schwangerschaft, Geburt und vieles mehr.

Was erhoffe ich mir von diesem Tagebuch?

Ich weiß nicht, wann mein Kind das Tagebuch lesen wird. Vielleicht sollen wir es ja auch schon vorlesen, bevor unser Kind das selbst kann. Sollte unser Kind selbst einmal überlegen, eigene Kinder zu haben, dann helfen die Texte vielleicht, zu zeigen, dass auch wir viele Unsicherheiten hatten und nicht immer alles nach Plan lief. Vielleicht machen wir aber auch aus der Sicht unseres Kindes Dinge „ganz falsch“. Das Tagebuch kann dann aber erklären, wieso wir bestimmte Dinge so getan haben.

Ein wichtiger Grund für mich ist aber das Niederschreiben von Gedanken. Man kann oft erst von Gedanken loslassen, wenn man sie anderen erzählt, oder eben aufgeschrieben hat. Ich denke, dass viele ein persönliches Tagebuch genau aus diesem Grund führen. Es wäre wirklich schön, wenn unser Kind eines Tages das Tagebuch liest und Freude daran hat. Wenn es dann bei der eigenen Elternschaft hilft, wäre das natürlich noch besser.

Wie schaffe ich es, die Texte zu schreiben?

Der tägliche Rhythmus hat nur genau eine Woche funktioniert. Gerade in den ersten Tagen, Wochen und Monaten hat man nicht immer die Energie, am Abend noch etwas zu schreiben. Wenn man es aber schafft, dann reichen schon 10 Minuten aus, um den Tag Revue passieren zu lassen. Wenn ich mal eine oder zwei Wochen nachträglich „dokumentiere“, dann helfen mir ein paar digitale Tools weiter.

Ich habe einen digitalen privaten und einen Familienkalender mit den wichtigsten Terminen von mir, meiner Frau und gemeinsamen Terminen. Damit kann ich mich dann immer an diese Termine zurückerinnern und weiß dann meistens, ob bei dem Termin etwas Besonderes passiert ist. Aber auch meine „Zeitachse“ in der Google-Maps-App hilft mir sehr, mich an Dinge zu erinnern, die nicht im Kalender standen, wie zum Beispiel ein Spaziergang im Park, ein spontaner Ausflug in ein Café oder eine ungeplante Änderung von Terminen.

Fazit

Ein Tagebuch zu führen, kann einem helfen, bestimmte Gedanken aus dem Kopf zu bekommen. Es ist immer etwas sehr Persönliches und man muss überlegen, ob man es mit anderen Menschen teilen möchte oder nicht. Zum Glück fand meine Frau die Idee eines Tagebuchs für unser Kind auch gut und hat ebenfalls angefangen, darin zu schreiben. Ob unser Kind das alles irgendwann wertschätzen wird, kann ich noch nicht sagen, aber vielleicht schreibe ich hier in ein paar Jahren etwas dazu, wenn es so weit ist.

Ich kann euch nur dazu ermutigen, es einfach mal zu probieren. Fangt erst einmal nur für euch selbst damit an. Wenn es euch gefällt, dann könnt ihr auch andere Menschen dazu einladen, mitzuschreiben. Das könnten ja auch Großeltern oder andere Bezugspersonen des Kindes sein. Wenn ihr aber merkt, dass die Texte zu privat sind oder ihr einfach nicht zufrieden seid, dann könnt ihr es ja jederzeit löschen.

Vermutlich werde ich das Tagebuch irgendwann auch mal ausdrucken. Zum einen liest es sich sicher viel schöner auf Papier, zum anderen hat man dann auch ein „analoges Backup“, denn wenn diese Word-Datei mal aus Versehen verloren geht, sind all die schönen Geschichten auch weg, und das wäre sehr schade.

Falls ihr bereits etwas Ähnliches gemacht habt, dann teilt das doch gerne in den Kommentaren zu diesem Beitrag. Mich würde es auf jeden Fall interessieren, was ihr genau so, oder was ihr ganz anders macht.

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